Hundewolle – nachhaltiges Material für den Modemarkt?!

Was ist Hundewolle?

Hundewolle ist tatsächlich das, wonach es klingt: Wolle aus Hundehaaren. Besonders gut eignet sich das Unterfell der Vierbeiner, weil dies besonders weich ist und an den Griff von Kaschmir erinnert.

Die meisten Menschen, die zum ersten Mal von Hundewolle hören, sind zumindest verdutzt, wenn nicht sogar abgeneigt. Aber warum?! Ein Pulli aus Haustierhaaren ist im Grunde absolut nicht abwegig. Vielmehr ist es eine nachhaltige Win-Win-Lösung.

Die meisten Hunde wechseln ihr komplettes Fell zwei Mal pro Jahr. Alles, was sie an Haaren nicht draußen lassen, finden Hundeliebhaber meist auf Teppich, Sofa und anderen Textilien. Um die Fellflut in den Griff zu kriegen, helfen viele nach und greifen zu Hundekämmen. Je nach Hunderasse kommen so täglich ein oder mehrere dicke Knäuel zusammen. Im besten Fall wandern die flauschigen Bälle dann in den Kompost, häufig jedoch einfach im Hausmüll. Schätzungsweise 1.000 Tonnen Hundewolle fallen pro Jahr in ganz Europa an.

Warum ist Hundewolle nachhaltig?

Hundewolle ist ein nachwachsender Rohstoff, für den man nur jene Ressourcen einsetzen muss, die für die normale Pflege des Haustieres anfallen. Dies steht zum Beispiel im Gegensatz zu Baumwolle, für deren Aufzucht man viel Land und Wasser benötigt.

Hinzu kommt die Regionalität von Hundewolle. Sie ist überall verfügbar und muss nicht von weither in die Spinnereien geschafft werden. CO2-Emissionen werden somit eingespart.

Hundewolle (noch) nicht für den Großmarkt geeignet

Im Größenvergleich zur Herstellung und Verarbeitung von Schafswolle ist die von Hunden verschwindend gering. Das müsste nicht so bleiben, da bisher nur ein Bruchteil des möglichen Rohstoffvolumens genutzt wird. Aber auch wenn man Kapazitäten und Infrastruktur ausbauen würde, könnte man kein Volumen für globale Massenproduktionen erreichen.

Das macht ja aber auch gar nichts. Schließlich sind Überproduktionen und Fast Fashion in grünen Kreisen mehr als out und Hundewolle eher ein tolles, ergänzendes Material für Slow Fashion Labels, die auf Nachhaltigkeit setzen. In diesem Sektor könnte Hundewolle den kleinen Öko-Modemarkt tierisch gut bereichern.

Wo kommen die Haare für die Wolle her? Müssen Hunde leiden?

Leider geht immer noch die Falschmeldung umher, dass Vierbeiner für die Herstellung von Hundewolle leiden müssen. Das ist schlicht und ergreifend Unsinn. Eher andersrum wird ein Schuh draus.

Die Haare, aus denen man die Wolle fertigt, fallen auf natürliche Weise aus, also ein ganz normaler Vorgang. Mit sanftem Auskämmen kann nachgeholfen werden. Dabei wird das Tier aber auch nur von den Haaren befreit, die ohnehin ausgegangen wären, vielleicht eins, zwei Tage später. Diese Prozedur, wenn sie denn überhaupt erfolgt, empfinden die meisten Hunde als wohltuend. Privatpersonen, Tierheimbetreiber oder Züchter können das Fell zu Hause/im Betrieb sammeln und dann an Spinnereien spenden oder verkaufen.

Achte darauf, dass die ausgekämmten Haare sauber sind und du sie in einem luftdurchlässigen Behältnis (z. B. Sack aus Baumwolle oder Jute) lagerst. Andernfalls könnte das Fell eine strenge Note annehmen, die eine Weiterverarbeitung zu einem Kleidungsstück unmöglich macht.

 

Ein anderer Weg, an Hundefell zu kommen, ist natürlich der Friseurbesuch. Auch wenn dieser nicht von allen Hunden gleichermaßen geleibt wird, leiden die Vierbeiner hier nicht. In der Regel wirken sie putzmunter und befreit, wenn sie frischrasiert aus dem Salon spazieren. Nach Abstimmung mit Herrchen/Frauchen gilt auch hier: entweder an Spinnereien verkaufen oder spenden. Bei einer Spende geht sogar häufig ein Teil des Gewinns an den Tierschutz.

Hundehaare an gemeinnützige Organisation spenden

Wenn du das Fell deines Vierbeiners spenden willst, können wir dir den gemeinnützigen Verein Rohstoffe retten ans Herz legen. Bei der Organisation aus Österreich kommen
100 % der Einnahmen, die man mit dem Fell generiert, dem Tierschutz zugute.

Einsendungen aus Deutschland, Österreich und Schweiz sind kostenlos. Weitere Informationen findest du unter www.rohstoffe-retten.com.

Welche Hunde kommen dafür in Frage?

Nackt- oder Windhunde sind zwar ulkig-putzige Gesellen, aber aus ihrem wenigen Fell lässt sich wahrlich kein Garn spinnen. Langhaarige, voluminöse Hunde mit viel Unterfell sind dagegen die perfekten Kandidaten für die Hundewoll-Produktion.

Hierzu zählen z. B. Schäferhunde, Collies, Golden Retriever, Berner Sennenhunde, Gordon Setters, Chow-Chows, Hirtenhunde, Labradore, Bobtails, Neufundländer und Spitze.

Hundewolle spinnen lassen

Ein Freund von uns tut es bereits: Er trägt seinen Husky Oskar als Pulli am Körper. Dafür hat er Oskars Fell ein paar Monate lang gesammelt und an eine Spinnerei geschickt. Dort wurde das Fell begutachtet, bevor man sich auf einen Festpreis einigte.

Das Garn wurde ihm ca. zwei Wochen später nach Hause geschickt. Damit hat sich unser Freund dann an eine kreative Jung-Designern aus Berlin gewandt, die das Garn schließlich zusammen mit ein bisschen Schafswolle zu einem kuscheligen Pullover verarbeitete. Das Material fühlt sich wirklich mindestens so weich wie Kaschmir an!

DIY-Video: Hundewolle selbst spinnen

Falls du geduldig, geschickt und willig bist und selbst über eine (Hand-)Spindel verfügst, kannst du aus Hundehaaren natürlich auch selbst ein Garn herstellen. Dieses Video zeigt dir Schritt für Schritt, wie es geht und was du dabei beachten solltest.

Wie wird aus den Hundehaaren Garn hergestellt?

Die eingesendeten Hundehaare werden in den Spinnereien in einem ersten Schritt mehrfach gründlich gewaschen und dann getrocknet.

Nun kommt eine so genannte Kardiermaschine zum Einsatz, die dafür sorgt, dass alle Haare in dieselbe Richtung ausgerichtet sind. Erst dann kann der Spinnvorgang anschließen, bei dem die kurzen Haare miteinander verbunden und zu einem Garn gesponnen werden. Bei Bedarf kann die Wolle mit Naturfarben koloriert und/oder mit anderen Tierhaaren (z. B. von Schaf, Ziege oder Alpaca) kombiniert werden.

Nach dem Spinnvorgang ist die Wolle zur Weiterverarbeitung bereit. Welches Verfahren nun zum Einsatz kommt, hängt von der Beschaffenheit des Garns und der gewünschten Anwendung ab. Es gibt inzwischen sogar Hundewolle, die man in große Industrieanlagen einsetzen kann, alternativ kannst du es dir aber auch mit einer Rolle auf dem Sofa gemütlich machen, die Stricknadeln rausholen und daraus ein paar superwarme Socken zaubern.

Kosten für das Spinnen

Die Kosten für den Spinnvorgang variieren unter den Anbietern. Etwa 25 Euro für 100 Gramm strickfertige Hundewolle solltest du ungefähr einplanen.

Liste mit Hundewollspinnereien – 4 Empfehlungen

In Deutschland, Schweiz und Österreich gibt es ein paar Spinnereien, die deine Hundehaare zu Wolle verarbeiten. Von diesen vier Firmen haben wir schon viel Gutes gehört:

🧶 Huskywool
Burwald 721, 3925 Grächen, Schweiz
Tel: +41 79 0620 6004

🧶 NAFABO – Die individuelle Wollspinnerei
Hauptstraße 116, 09387 Jahnsdorf
Tel: 0371 / 857 949 49

🧶 Pfotenoase
Wienerstraße 19, 3252 Petzenkirchen
Tel: 0660 / 481 4973

🧶 Wollspinnerei Petra Haderer
Schlossplatz 1, 2331 Vösendorf, Österreich
Tel: 0664 / 134 0590

Kleidung und Garn aus Hundewolle kaufen – Online-Shop aus Berlin

Wenn du selbst keinen Hund hast und damit auch kein Fell zum Verspinnen, kannst du natürlich trotzdem an Hundewolle und an kuschelweiche Accessoires & Kleidung daraus kommen.

Hierfür können wir dir den Shop des Berliner Start-ups Modus Intarsia ans Herz legen. Die beiden Geschäftsführerinnen arbeiten ausschließlich mit dem besonders flauschigen Unterfell von Hunden. Aus dem Garn namens Chiengora fertigen sie neben Strickgarn für DIY-Projekte u. a. Stirnbänder, Mützen, Pullover, Kuscheldecken und auch Bekleidung für Hunde.

Welche Haustiere kommen noch in Frage?

Im Grunde kann man aus jedem flauschigen Haar ein Garn spinnen. Deshalb eignen sich theoretisch alle Haustiere, die ein Fell haben. Dies sind zum Beispiel Katzen, Kaninchen, Meerschweinchen und Hamster. Da sich bei kleinen Haustieren die haarige Ernte volumenmäßig in Grenzen hält, wird – soweit uns bekannt ist – auf eine Verarbeitung zu Wolle verzichtet.

Katzenhaare stehen dagegen sehr wohl im Visier findiger Unternehmen. Das Start-up Modus Intarsia ist aktuell dabei, ein Industriegarn aus Katzenhaaren und Pferdewolle herzustellen.

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