Tempeh selber machen | Anleitung für Anfänger mit Fehler-Check

Direktantwort | Kann man Tempeh selber machen?

Ja, Tempeh lässt sich zu Hause gut selbst machen. Damit der Ansatz gelingt, brauchst du eine geeignete Tempeh-Starterkultur, sauber gekochte und gut abgetrocknete Hülsenfrüchte, Luftzufuhr und eine möglichst konstante Temperatur von etwa 28 bis 32 °C.

Entscheidend sind vor allem die ersten 24 bis 48 Stunden. In dieser Zeit wächst das weiße Myzel der Rhizopus-Kultur durch die Bohnen und verbindet sie zu einem festen Block. Bleiben die Bohnen zu feucht, zu kalt oder luftdicht verpackt, wächst der Tempeh oft nicht richtig zusammen.


Das brauchst du, um Tempeh selbst zu machen

Das brauchst du, um Tempeh selbst zu machen

Für einen ersten Ansatz reichen wenige Dinge:

200 g trockene Sojabohnen, möglichst geschält
Tempeh-Starterkultur
großer Topf, Sieb und saubere Schüssel
perforierter, lebensmittelechter Beutel oder eine geeignete Fermentationsform
Küchenthermometer
kontrollierbare Wärmequelle
sauberes Backblech oder Tablett zum Ausdampfen der Bohnen

Essig brauchst du nicht zwingend, wenn du die Bohnen im Kühlschrank einweichst. Das ist für Anfänger die unkomplizierteste und hygienischere Methode. Lasse die Bohnen nicht über viele Stunden warm auf der Arbeitsplatte stehen.

Vor allem für den ersten Ansatz ist eine klar deklarierte Starterkultur sinnvoll. Die BIO Tempeh-Starterkultur von HeldenPilz* eignet sich perfekt für Erstis wie auch Profis. Sie enthält Rhizopus oligosporus und ist auf eine Dosierung von etwa 1 g Starter pro 200 g Bohnen ausgelegt.

Was beim Tempeh-Machen eigentlich passiert

Tempeh ist keine spontane Wildfermentation. Die Starterkultur enthält Rhizopus-Sporen, die unter passenden Bedingungen feine weiße Pilzfäden bilden. Dieses Myzel wächst zwischen den Bohnen hindurch und macht aus ihnen den typischen festen Tempeh-Block.

Damit die Kultur gut arbeiten kann, müssen die Bohnen weich genug zum Durchwachsen sein, dürfen aber außen nicht nass sein. Außerdem braucht Rhizopus Sauerstoff. Deshalb wird Tempeh nicht in einem luftdichten Glas fermentiert, sondern in perforierten Beuteln oder Formen mit Luftzufuhr.

Tempeh selber machen | Grundrezept für den ersten Ansatz

Tempeh selber machen | Grundrezept für den ersten Ansatz

1. Bohnen einweichen

Spüle 200 g Sojabohnen gründlich ab und weiche sie mit reichlich Wasser 12 bis 18 Stunden im Kühlschrank ein. Danach das Einweichwasser wegschütten.

2. Schalen möglichst entfernen

Reibe die eingeweichten Bohnen zwischen den Händen, damit sich die Schalen lösen. Gib Wasser dazu und gieße aufschwimmende Schalen vorsichtig ab. Es müssen nicht alle Schalen verschwinden, aber weniger Schalen erleichtern dem Myzel das Durchwachsen.

3. Bohnen kochen

Koche die Bohnen anschließend etwa 30 bis 45 Minuten, bis sie weich sind, aber nicht zerfallen. Gieße sie sehr gründlich ab.

4. Bohnen trocknen lassen

Verteile die heißen Bohnen auf einem sauberen Blech oder Tablett. Sie sollen ausdampfen, bis die Oberfläche trocken wirkt und keine sichtbaren Wassertropfen mehr vorhanden sind. Dieser Schritt ist wichtig: Zu viel Feuchtigkeit gehört zu den häufigsten Gründen, warum Tempeh misslingt.

5. Starterkultur untermischen

Lass die Bohnen auf unter 35 °C abkühlen. Mische dann die Starterkultur gleichmäßig unter. Wasche dir vorher gründlich die Hände und verwende saubere Küchenutensilien.

6. Luftdurchlässig verpacken

Fülle die Bohnen etwa zwei bis drei Zentimeter hoch in einen perforierten Beutel. Bei einem selbst gelochten Beutel reichen kleine Löcher im Abstand von etwa zwei Zentimetern. Die Bohnen dürfen nicht zu fest zusammengedrückt werden.

7. Tempeh fermentieren

Fermentiere den Ansatz bei etwa 28 bis 32 °C. Nach rund 24 Stunden sollte erstes weißes Myzel sichtbar sein. Je nach Temperatur, Feuchtigkeit und Bohnenart dauert die Reife meist 24 bis 48 Stunden.

WICHTIG! Der Tempeh entwickelt während der Fermentation eigene Wärme. Miss deshalb nicht nur die Umgebungstemperatur. Steigt die Temperatur im Inneren deutlich an, reduziere die Wärmequelle. Die Innentemperatur sollte 42 °C nicht überschreiten.

8. Reife prüfen + kühlen

Fertiger Tempeh ist fest, kompakt und großflächig weiß durchwachsen. Sobald die Bohnen zuverlässig zusammenhalten, gehört der Block in den Kühlschrank. Vor dem Verzehr solltest du selbst gemachten Tempeh gut erhitzen, etwa durch Braten, Dämpfen, Backen oder Kochen.

Tempeh-Fermentation | Die Stadien

Tempeh während der Fermentation richtig einschätzen

Zu Beginn Die Bohnen liegen noch locker im Beutel. Sichtbare Veränderungen sind in den ersten Stunden unwahrscheinlich und auch nicht nötig.

Nach etwa 12 bis 18 StundenJe nach Wärme können erste weiße Punkte oder feine Fäden sichtbar werden. Ein deutlich feuchter Beutel oder Kondenswasser, das auf die Bohnen tropft, ist kein gutes Zeichen.

Nach rund 24 Stunden Das weiße Myzel sollte sich zunehmend ausbreiten. Die Bohnen beginnen zusammenzuhalten und der Ansatz riecht mild, nussig oder leicht pilzartig.

Nach 36 bis 48 Stunden  Der Tempeh sollte zu einem festen Block zusammengewachsen sein. Wird er weiter warm gelagert, kann das Myzel dunkelgrau oder schwarz sporulieren und der Geruch zunehmend ammoniakartig werden.

Tempeh-Fehler-Check | Was ist normal, was nicht?

| BEOBACHTUNG | MÖGLICHER GRUND | DAS IST ZU TUN
weißes, dichtes Myzel gewünschtes Wachstum der Tempeh-Kultur Tempeh kühlen und zeitnah verwenden
einzelne graue oder schwarze Punkte Sporulation (Sporenbildung) bei weiter fortgeschrittener Reife nur akzeptabel, wenn der Tempeh sonst fest, überwiegend weiß und geruchlich unauffällig ist; sofort kühlen und bald erhitzen
nach 24 Stunden kaum weißes Myzel Temperatur zu niedrig, Bohnen zu nass oder Starter ungleich verteilt Temperatur und Luftzufuhr prüfen, Ansatz weiter beobachten
Bohnen bleiben nach 36 bis 48 Stunden locker Kultur konnte sich nicht ausreichend entwickeln. nicht weiter warm stehen lassen und nicht durch erneutes Fermentieren retten
Oberfläche wirkt sehr feucht Bohnen waren vor dem Start nicht trocken genug oder Kondenswasser sammelt sich. Wärme reduzieren und Kondenswasser vermeiden; bei Schleim oder Fehlgeruch entsorgen
rötliche, rosafarbene, grüne oder blaue Stellen unerwünschte Kontamination kompletten Ansatz entsorgen
schleimige Ablagerungen bakterieller Verderb möglich nicht probieren, entsorgen
modriger, fauliger oder deutlich unangenehmer Geruch Fehlentwicklung oder Kontamination entsorgen
scharfer Ammoniakgeruch (Geruch erinnert an den von Urin oder aggressiven Putzmitteln) Überfermentation oder unzuverlässiger Ansatz Anfänger besser entsorgen
Temperatur über 42 °C Die Kultur kann geschädigt werden, Verderbniserreger können sich leichter durchsetzen. Ansatz entsorgen und beim nächsten Versuch weniger Wärme zuführen

WICHTIG! Dunkle Punkte sind also nicht automatisch gefährlich. Sie können entstehen, wenn das weiße Myzel weiterreift und Sporen bildet. Dennoch gilt: Farbe allein reicht nie für die Beurteilung. Festigkeit, Geruch, Feuchtigkeit und das gesamte Erscheinungsbild müssen zusammenpassen.

Tempeh ohne Inkubator fermentieren

Tempeh im Backofen fermentieren

Ein Spezialgerät ist nicht zwingend nötig. Wichtig ist nur, dass du die Temperatur kontrollieren kannst. Ein ausgeschalteter Backofen mit eingeschaltetem Licht funktioniert bei manchen Geräten gut. Prüfe die tatsächliche Temperatur aber unbedingt mit einem Thermometer, denn manche Backofenlampen erzeugen zu viel Wärme.

Praktisch kann auch eine isolierte Box mit Heizmatte und Temperaturregler sein. Ein Dörrautomat mit niedriger Temperaturstufe kann ebenfalls funktionieren, solange der Tempeh nicht austrocknet und weiterhin ausreichend Luft bekommt.

Ein Heizkörper, eine sonnige Fensterbank oder ein Platz auf der Kaffeemaschine sind dagegen keine gute Lösung. Die Temperaturen schwanken zu stark und lassen sich kaum kontrollieren.

Welche Hülsenfrüchte eignen sich außer Sojabohnen?

Auch aus Süßlupine lässt sich Tempeh herstellen

Sojabohnen bleiben die einfachste Wahl für den ersten Tempeh. Sie wachsen meist zuverlässig zusammen und das weiße Myzel ist gut erkennbar.

Gelbe Schälerbsen eignen sich gut für spätere Versuche. Der Tempeh wird meist etwas trockener und mürber als Soja-Tempeh.

Süßlupinen können ebenfalls funktionieren. Verwende dafür ausschließlich Speise-Süßlupinen aus dem Handel, keine Lupinensamen unbekannter Herkunft. Die Textur wird häufig etwas fester und kerniger.

Kichererbsen ergeben einen milden, nussigen Tempeh, der oft weniger kompakt als Soja-Tempeh wird. Achte besonders auf eine gut abgetrocknete Oberfläche.

Schwarze Bohnen sind geschmacklich interessant, aber für Anfänger schwieriger einzuschätzen: Das weiße Myzel hebt sich auf den dunklen Bohnen weniger deutlich ab. Tempeh lässt sich grundsätzlich auch aus Erbsen, Kichererbsen und Lupinen herstellen, doch Wassergehalt, Schalen und Garzeit verändern den Fermentationsverlauf.

Wie lange hält selbst gemachter Tempeh?

Frischer, nicht pasteurisierter Tempeh ist leicht verderblich. Kühle ihn direkt nach der Fermentation und verbrauche ihn am besten innerhalb von ein bis drei Tagen.

Bewahre ihn bei maximal 4 °C auf und entsorge ihn bei auffälligem Geruch, Schleim oder ungewöhnlichen Verfärbungen. Für längere Lagerung kannst du Tempeh portionsweise einfrieren. Geschmack und Textur bleiben meist etwa drei bis sechs Monate gut erhalten.


FAQ | Häufige Fragen zu selbst gemachtem Tempeh

FAQ | Häufige Fragen zu selbst gemachtem Tempeh

Warum wird mein Tempeh nicht weiß?

Meist waren die Bohnen zu feucht, die Temperatur zu niedrig oder die Luftzufuhr zu gering. Auch eine ungleichmäßig verteilte Starterkultur kann das Wachstum bremsen.

Sind schwarze Punkte auf Tempeh gefährlich?

Sie können auf Sporulation hinweisen. Bei einem festen, ansonsten weißen und frisch riechenden Tempeh sind einzelne dunkle Punkte nicht automatisch ein Problem. Bei Schleim, Fehlgeruch oder zusätzlichen Farben solltest du ihn entsorgen.

Kann ich Tempeh ohne Inkubator machen?

Ja. Ein Backofen mit Licht, eine temperierte Box oder ein Dörrautomat können funktionieren. Entscheidend ist ein Thermometer.

Muss Tempeh beim Fermentieren warm stehen?

Ja. Für zuverlässiges Wachstum braucht Tempeh meist etwa 28 bis 32 °C. Die Temperatur im Inneren des Ansatzes sollte 42 °C nicht überschreiten.

Kann ich Tempeh aus Kichererbsen oder Lupinen machen?

Ja. Beide Hülsenfrüchte können funktionieren, verhalten sich aber anders als Sojabohnen. Für den ersten Versuch ist Soja einfacher, danach sind Kichererbsen oder Speise-Süßlupinen gute Alternativen.

Wie erkenne ich, ob selbst gemachter Tempeh schlecht ist?

Entsorge ihn bei Schleim, modrigem oder fauligem Geruch, starkem Ammoniakgeruch sowie roten, rosa, grünen oder blauen Verfärbungen. Einen misslungenen Ansatz solltest du nicht durch Braten, Abspülen oder weiteres Fermentieren retten.


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