Biodiversität / Artenvielfalt erhalten und erhöhen – 6 einfache Tipps

Biodiversität Definition und Bedeutung – Was ist das?

Biodiversität, auch biologische Vielfalt genannt, umfasst alle Arten, die in der Natur vorkommen und alle Ökosysteme, die den Lebensraum Natur & Umwelt formen.
Dies sind Pflanzen, Bäume, Tiere, Moore, Flechten, Mikroorganismen, Pilze und die unterschiedlichen Ökosysteme (z. B. Wald, Meer, Wüste, See).

Es handelt sich hierbei um ein komplexes Geflecht, das für den Laien im Detail nur schwer zu erfassen ist. Doch auch Experten sind sich bei der Bestandsaufnahme des weltweiten Artenbestands regelmäßig uneins. Berechnungen variieren von 1,8 bis 14 Millionen[1]. Es ist schlichtweg unmöglich, eine globale Inventur aller Arten durchzuführen. Jedes Jahr werden neue entdeckt und erfasst. Andere gehen zurück und sterben aus.

Leider überwiegt der Rückgang der Arten deutlich – das ist hinreichend dokumentiert. Dieser Negativtrend stieg besonders mit der Hochphase der globalen Industrialisierung an und ist seitdem nicht zu stoppen. Meldungen über Einzelerfolge sind rar und bilden in keiner Weise ein ernstes Gegengewicht zum Biodiversitätsverlust.

Dass dem so ist, zeigt u. a. die Rote Liste gefährdeter Arten, die die International Union for the Conservation of Nature and Natural Resources (IUCN)[2] inzwischen jährlich veröffentlicht (seit 1966). Jüngst meldete die Organisation neue Zahlen, wonach 1 Million Tiere und Pflanzen vom Aussterben bedroht sind. Die Brisanz dieser Daten ist Wissenschaftlern natürlich schon lange bewusst. Die Politik zog nach und ein stetig wachsender Teil der Gesellschaft ebenfalls.

Orang-Utan im Baim
Vom Aussterben stark bedroht – Orang-Utans

Auf allen politischen Ebenen existieren Gremien zum Biodiversitätsschutz. Es gibt außerdem eine Vielzahl an Programmen und Strategien, um der negativen Entwicklung entgegenzuwirken. Auf deutscher Bundesebene ist dies zum Beispiel die Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt vom Bundesumweltministerium (BMU). Das wichtigste globale Gremium ist der Weltbiodiversitätsrat IPBES (Intergovernmental Science-Policy Platform on Biodiversity and Ecosystem Services).

Warum ist biologische Vielfalt wichtig?

Es gibt eine Vielzahl an Gründen, warum wir die Biodiversität erhalten müssen. Das sind vor allem diese:

  • 80 % der Obst- und Gemüsepflanzen sind für ihre Fortpflanzung auf die Bestäubung durch Bienen angewiesen.
  • Vielfältige Ökosysteme können sich besser an veränderte Klima- und Umweltbedingungen anpassen.
  • Moore, Pflanzen und Bäume kühlen, befeuchten und säubern die Luft. Sie binden klimaschädliche Emissionen und erhöhen die Bodenfruchtbarkeit auf natürliche Weise.
  • Zahlreiche Wirtschaftssektoren und damit Arbeitsplätze sind auf eine intakte Natur angewiesen, u. a. Land- und Forstwirtschaft, Fischerei.

Gründe für den Biodiversitätsverlust

Die Ursachen für den Rückgang der Arten sind vielfältig und Ursache-Wirkung manchmal schwer auszumachen. Die globale Wissenschafts-Community zeichnet in ihren Meinungen dazu kein komplett einheitliches Bild, doch bei ein paar Einflussfaktoren stimmt das Gros überein. Hierzu zählen:

  • Intensive Landwirtschaft: Pestizide, Herbizide, Düngemittel, zu viel Gülleauftrag, Ausweitung der Ackerflächen
  • Auswirkungen des Klimawandels: Hitze, Bodentrockenheit, Überschwemmungen
  • Abholzung des Regenwaldes
  • Trophäenjäger & Massentourismus

Einfache Tipps, um die biologische Vielfalt zu erhöhen

Als engagierter Laie kann man beim Thema Biodiversität schnell an seine Grenzen stoßen. Ausmaß und Zusammenhänge sind komplex. Man möchte helfen, aber weiß gar nicht, wo man anfangen soll.

Grüne Libelle

Die Probleme erscheinen so riesig und es kommen Fragen wie diese auf:
Kann ich als einzelne Person überhaupt irgendwas beitragen, um den Biodiversitätsverlust zu bremsen? Ist das nicht Aufgabe der Politik? Reicht es aus an kleinen Rädchen zu drehen?

Ja, auch, nein. Lauten unsere Antworten hierauf.
Ja, jeder einzelne kann und sollte etwas tun. Klima-, Umwelt und Biodiversitätsschutz – wir alle müssen unseren Teil dazu beitragen.
Natürlich ist die Politik gefordert, alle notwendigen Rahmenbedingungen zu setzen: Verbote, Gebote, finanzielle Anreize usw. Den Verantwortlichen steht ein breites Instrumentarium zur Verfügung. Wir, die Gesellschaft, müssen aber mitziehen und können die Verantwortung nicht einfach abschieben.
Kleine Rädchen können ein großes Rad in Bewegung bringen. Also los!

Lange Rede, kurzer Sinn – Es folgen ein paar konkrete Empfehlungen, die fix umzusetzen sind und entweder nur ganz wenig oder gar nichts kosten. Die Liste erhebt nicht den Anspruch der Vollständigkeit.
Ergänzt eure liebsten Tipps gern in den Kommentaren. Wir sind gespannt darauf!

Behausungen für Insekten und kleine Tiere bauen oder kaufen

Da es immer weniger Flächen gibt, die vom Menschen unangetastet sind, fehlen vielen Insekten und anderen Tieren Nist- und Unterschlupfplätze.
Wenn ihr einen Garten habt: Räumt nicht das ganze Laub weg, sondern lasst am besten mehrere Haufen stehen. Igel und viele andere Insekten fühlen sich dort pudelwohl. Zusätzlich altes Gehölz und Baumstümpfe an Ort und Stelle lassen. Eine Vielzahl von Insekten wird es euch danken.

Beschneidet eure Hecken, sofern ihr welche habt, am besten zwischen Mitte Oktober und Anfang November. Keinesfalls jedoch im Frühling oder im Sommer. Warum? Sie bieten hervorragende Möglichkeiten für Vögel, dort ihre Nester zu bauen.

Ganz ähnlich und meist auch richtig hübsch: Insektenhotels. Die gibt es fix und fertig zu kaufen und da sie an der Wand hängen können, sind sie auch für kleine Balkone in Berlin, Hamburg oder München geeignet. Wenn du Lust auf ein bisschen Werkeln hast, dann einfach ein Hotel selber bauen.

🔨  DIY Insektenhotel selbst herstellen

Futter & Wasser nach draußen stellen

Gerade an heißen Sommertagen solltet ihr euch diesen Tipp zu Herzen nehmen: Stellt für Bienen, Wespen und Vögel Schälchen mit Wasser auf!
Achtet darauf, eine kleine Kletterhilfe (z. B. ein Zweig) vom Rand ins Wasser beizufügen, damit die Insekten gut ans Nass kommen und dabei nicht ertrinken. Alternativ könnt ihr den Boden der Schale mit Glasmurmeln bedecken. So ist ebenfalls sicheres Durstlöschen garantiert. Wenn ihr mögt, könnt ihr noch eine Messerspitze Traubenzucker einrühren; das sorgt für einen extra Energie-Kick.

In den Wintermonaten sollten wir vor allem Igel und Vögel in den Blick nehmen. Kommen euch die kleinen Stachelritter zu mager für den Winterschlaf vor, stellt ihnen Haferflocken mit Rührei oder Katzenfutter hin. Weitere Infos zum richtigen Umgang mit Igeln findet ihr beim WWF. Vögel solltet ihr vor allem bei einer geschlossenen Schnee- oder Eisdecke in Form von Körnern, gekochten Nudeln oder Nüssen unterstützen. Meisen am besten den bekannten Knödel hinhängen.

Wilde Wiese anlegen

Wenn ihr ein kleines Stück Garten habt, dann davon unbedingt einen Teil für eine wilde Blumenwiese reservieren!
Achtet darauf, dort besonders viele heimische Gräser und Blumen anzusiedeln. Zudem sollte es sich um Blumen mit sehr nektarreichen Blüten handeln, damit Biene, Hummel & Co. genug zu schleckern haben.

Wiese mit bunten Blumen und Gräsern
Eine wilde Blumenwiese bietet Nahrung und Schutz für zahlreiche Arten.

Geeignete florale Kandidaten sind unter anderem Margeriten, Löwenzahn und Glockenblumen. Und auch Kräuterblüten lieben die Sechsbeiner sehr. Unter den TOP 3 sind Lavendel, Salbei und Thymian.

🦋 zieht es vor allem zu Fliederblüten und Stauden wie Wilde Malve oder Gewöhnliche Wiesenschafgarbe hin. Ein wilder Mix, den es in jedem guten Bio-Markt oder Gartencenter zu kaufen gibt, ist wahrscheinlich die beste und unkomplizierteste Wahl.

Die wilde Wiese bietet noch mehr Vorzüge: Sie ist Lebensraum für allerlei Insekten & Schnecken und diese wiederum dienen als Nahrung für unsere heimischen Vögel. Zudem verbessert sich die Bodenqualität und damit der Lebensraum für Regenwürmer und andere Bewohner in der Erde.

Falls du keinen Garten hast, kannst du dir einfach eine Mini-Version davon in Kübeln oder in einem Hochbeet anlegen. Außerdem gibt es auch diese tollen Seedbombs, die man in Parks oder tristen Brachflächen einbuddeln kann.

Straßenbäume gießen

In den heißen Sommermonaten kommen die Kommunen aufgrund von Personalmangel mit dem Gießen häufig nicht hinterher. Manchmal fehlen dafür auch einfach finanzielle Mittel und in anderen Fällen sind die Zuständigkeiten nicht klar geregelt. Was auch immer der Grund sein mag, Pflanzen & Bäume dürfen nicht die Leidtragenden sein!

Spazierende Menschen bei Sonnenschein
In Städten mit viel Beton wird es besonders heiß. Viele Bäume leiden extrem unter der Hitze und Trockenheit.

Falls ein Baum im Frühling oder (Früh-)Sommer trockene Blätter abwirft, ist Eile geboten. Das ist (s)ein Hilferuf!
Greift euch eine Gießkanne oder einen Eimer und spendiert ihm gegen den großen Durst erst einmal 50 Liter aus dem Hahn. Wartet nicht darauf, dass es ein anderer tut. Das geht oft in die Hose.

Belasst es nicht bei der einmaligen Aktion, sondern begleitet ihn mit regelmäßigem Gießen in den Herbst. Wenn ihr Glück habt, dankt er es euch im Oktober mit wunderschön gefärbten Blättern.

Holzprodukte aus nachhaltiger Forstwirtschaft kaufen

Achte beim Kauf bei Holzprodukten darauf, dass diese aus nachhaltiger Forstwirtschaft stammen. Um lange Transportwege zu vermeiden, sind Holzsorten aus heimischen Wäldern vorzuziehen.

Keinesfalls solltest du auf Tropenhölzer zurückgreifen. Mögen Stücke daraus auch noch so schön sein – du zerstörst damit Lebensraum! Gerade die tropischen Regenwälder beherbergen unzählige seltene Arten, von denen schon jetzt viel zu viele vom Aussterben bedroht sind.

Bäume, kleiner Fluss und Steine in tropischem Wald
Finger weg von Tropenhölzern! Sie sind essentiell für biologische Vielfalt.

Bei Papieren jeglicher Art dient der Blaue Engel als verlässliches Kaufkriterium. Ist das Siegel auf einem Produkt abgebildet, handelt es sich in der Regel um eines aus Recyclingfasern. Die Mehrfach-Verwendung nachwachsender Rohstoffe ist perfekt, um Ökosysteme und die Arten darin zu schonen.

Biologische Landwirtschaft unterstützen

Die biologische Landwirtschaft, Synonym: extensive Landwirtschaft, verzichtet beim Ackerbau auf chemische Unkrautvernichter, denen auf konventionell betriebenen Feldern viele Insekten zum Opfer fallen. Diese Insekten fehlen Vögeln und anderen Tieren als Nahrungsquelle und so reduziert sich auch deren Bestand.

Erschwerend kommt bei der intensiven Landwirtschaft die Massentierhaltung hinzu. Vom Tierwohl einmal abgesehen, fallen riesige Güllemengen an, die in Massen auf den Feldern landen. Im Boden reichert sich dadurch giftiges Nitrat an, das nicht nur den Mikroorganismen in der Erde schadet, sondern über das Grundwasser auch in Seen und Flüsse gelangt und dort weitere Ökosysteme ins Ungleichgewicht bringt.

Was noch schlimmer ist: Die Futtermittelindustrie lässt unaufhaltsam Waldflächen in Südamerika roden, um dort Soja anzubauen. Wie zuvor bereits gesagt, gerade dort ist die Artenvielfalt immens – zumindest solange die Planierraupen ankommen.

Gülleanhänger
Gülle in kleinen Mengen dient als Dünger. In vielen Teilen Deutschlands kommen jedoch viel zu hohe Mengen auf die Felder.

Wir könnten euch noch deutlich mehr Beispiele nennen, aber die Haupt-Message sollte schon jetzt angekommen sein: Kauft mehr Bio-Produkte und unterstützt dadurch nachhaltiges Landwirtschaften!

Ja, sie sind teurer, aber der Preis hat in der Regel seine Berechtigung. Ihr müsst ja nicht gleich komplett umschwenken, aber gerade bei Obst und Gemüse ist der Preisunterschied häufig gar nicht so groß. Bei Fleisch ist die Differenz teilweise extrem, aber auch hierfür gibt es eine einfache Lösung, die du sofort umsetzten kannst: Reduziere deinen Fleischkonsum mindestens um die Hälfte und schon hast du genug Geld für die Öko-Variante.
Das tut nicht nur Biodiversität und Klimaschutz gut, sondern dein Körper wird es dir sicher auch danken.

Quellen

[1] https://www.bfn.de/infothek/daten-fakten/zustand-der-natur/tiere-pflanzen-und-pilze/ii-11-1-artenzahlen-pflanzen-pilze-und-tiere.html

[2] https://www.iucnredlist.org/about/background-history

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