Kaffee, Kurkuma & Co. als nachhaltige, biologische Textilfarbe für Zuhause

Textilien ohne Chemie umweltschonend selber färben

Nachhaltigkeit in der Textilindustrie ist ein Thema, das rasant an Fahrt gewinnt. Gut so, denn dieser Industriebereich ist in der konventionellen, weit verbreiteten Variante an vielen Stellen alles andere als klima- und umweltschonend.

Zahlreiche Unternehmen – vom kleinen Start-up bis zum Multi-Brand-Großkonzern – drehen für ein Plus an Nachhaltigkeit an immer mehr Stellschrauben herum: Es werden biobasierte und recycelte Stoffe eingesetzt. Lange Transportwege stehen auf dem Kieker, der Arbeitsschutz spielt zunehmend eine wichtige Rolle. Man verzichtet auf Bleaching-Verfahren und setzt Färbemittel ein, die ohne Chemie auskommen.

Letzteres gelingt jedoch nicht nur in großen Anlagen, sondern im Kleinen auch bei uns zu Hause. Alles, was du dafür brauchst, befindet sich entweder schon in deinem Haushalt oder du kannst es easy im Supermarkt oder in der Drogerie besorgen.

Du brauchst nämlich nur diese Utensilien

  • großer Topf und Schüssel/Wanne
  • Gummihandschuhe
  • langer Kochlöffel oder Stab
  • Wasser
  • Salz
  • Alaun
  • Essig
  • Textil
  • Färbemittel deiner Wahl

Vorteile von natürlichen Färbemitteln

Natürliche Färbemittel sind vielseitig einsetzbar und fix zur Hand. Du kannst verblassten Klamotten damit ein neues Leben verleihen und Weißes mit Grauschleier zum Beispiel in ein rotes, gelbes oder in ein beiges etwas verwandeln.

Klamotten mit kleinen Makeln erspart man so den Weg in die Altkleidersammlung und du selbst sparst Geld. Darüber hinaus freut sich deine Haut über natürliche Farben, denn chemische können gerade bei sensitiven Menschen allergische Reaktionen auslösen.

Und zu guter Letzt sind Farben ohne Chemie natürlich viel besser für die Umwelt, weil ihre Rückstände biologisch abbaubar sind und sie somit keinen Schaden an Gewässern, Tieren oder Pflanzen anrichten. Und wenn es sich zusätzlich noch um ein Abfallprodukt wie z. B. Kaffeesatz handelt, sparst du auch noch Ressourcen ein.

Brillante Farben ­– die 10 besten Färbemittel aus der Natur

Wenn du genau hinschaust, findest du in der Natur so ziemlich jede Farbe, die du dir vorstellen kannst –­ vom Quietschgrün eines Mini-Froschs bis zum satten Rot einer Mohnblüte.

Bestandteile von Tieren kommen beim Färben natürlich nicht zum Einsatz, auf das immense Farbspektrum der Pflanzenwelt greifen wir dagegen gern zurück. Im Folgenden sind unsere zehn Favoriten aufgeführt, die leicht zu besorgen sind, nicht viel kosten und einen garantiert intensiven Farbton abgeben.

🌿 Blauholz
🌿 Holunderbeeren
🌿 Kaffeesatz
🌿 Kamille
🌿 Kurkuma
🌿 Rote Bete
🌿 Rotkohl
🌿 Schwarzer Tee
🌿 Spinat
🌿 Zwiebelschale

Dos & Dont’s

Checkliste – Allgemeine Tipps

✅ Verwende nur fleckenfreie Klamotten.

✅ Setze auf helle Textilien, wenn du ein besonders brillantes Farbergebnis anstrebst. Weiß ist das Optimum, aber auch Buttergelb, Hellrosa & Co. eignen sich sehr gut. Verwaschene, dunkle Kleidungsstücke bekommst du satt-dunkel, hellblau dagegen nicht.

✅ Trage beim Beizen sowie beim Färbevorgang Haushaltshandschuhe, damit du nicht tagelang mit gereizten/kurkumagelben Fingern herumlaufen musst.

✅ Färbe die Kleidungsstücke zur Sicherheit in einem alten Topf/Wanne. Es ist nämlich nicht komplett auszuschließen, dass das Färbemittel auch hier kleine Spuren hinterlässt.

Diese Stoffe/Textilien eignen sich besonders gut

Stoffe aus der Natur sind perfekt, um mit Farben aus der Natur koloriert zu werden. Das sind die besten:

  • Baumwolle
  • Halbleinen
  • Leinen
  • Viskose
  • Tencel
  • Viskose
  • Mischfasern, die mindestens zur Hälfte aus Naturfasern bestehen
  • Seide ist ein Wackelkandidat. Am besten einfach mal ausprobieren.

Stoffe, die sich nicht zum Einfärben eignen

Synthetische (künstliche) Fasern, die man in der Regel aus Erdöl herstellt, nehmen natürliche Farben gar nicht oder nur minimal auf. Hierzu zählen beispielsweise Acryl, Aramid, Elasthan, Polyamid, Polyester.

So geht’s: Gleichmäßiges Färben und Batik-Muster mit Essenresten und Pflanzen

Avocado, Zwiebeln, Kurkuma und Spinat in einer Schüssel von oben, darunter Textilstücke

Genug mit Theorie und Hintergrundwissen. Wenn du dich nun für ein Kleidungsstück und ein natürliches Färbemittel entschieden hast, kannst du mit deinem DIY-Vorhaben gleich loslegen.

Im Folgenden findest du zwei leichte Anleitungen: eine für gleichmäßiges Färben ohne Muster, mit der anderen kannst du deiner Klamotte ein cooles Batikmuster verleihen (Video).

In beiden Fällen kein Hexenwerk! Es gelingt sicher auch Personen, die nicht vor Kreativität und Geschick übersprudeln. Du musst dir lediglich ein paar Stunden Zeit nehmen. Falls du sehr unsicher bist, kannst du den Färbespaß ja erst einmal an einem alten Lappen testen.

Schritt-für-Schritt-Anleitung für gleichmäßiges Einfärben mit Naturfarben

  1. Gib dein Textil für einen Schnellwaschgang bei 40 bis 60 Grad in die Waschmaschine und verzichte dabei auf Waschmittel, Weichspüler & Co.
  2. Jetzt geht es ans Beizen. Klingt kompliziert, ist es aber nicht.
    Fülle Schüssel, Wanne oder Topf mit ca. drei Liter heißem Wasser auf. Die Menge hängt natürlich vom Volumen des Kleidungsstücks ab. Für z. B. einen Pulli eignet sich die folgende Menge sehr gut.
    Gib 250 ml Haushaltsessig, 500 g Salz und einen Teelöffel Alaun hinzu (oder ein vergleichbares Beizmittel).
  3. Decke das Gefäß ab und lasse das Textil dort für ca. zwei bis drei Stunden ruhen.
  4. Anschließend gründlich mit Wasser ausspülen.
  5. Nun wird das Herzstück vorbereitet: das Färbebad.
    Bringe drei Liter Wasser in einem Topf zum Kochen und füge das Kleidungsstück hinzu. Nun folgen deine Färbemittel, also z. B. kleine Stücke Rote Beete oder Kaffeesatz.
    Für ein intensives Farbergebnis lasse den Sud für ca. eine Stunde köcheln, rühre ab und zu um. Strikte Zeitangaben sind hier fehl am Platz. Schließlich hängt die Zeitspanne davon ab, wie viel und welches Färbemittel du im Topf hast und welches Ergebnis du dir wünschst.

Tipp!
Falls das Textil nicht in den Topf passt, kannst du den Sud nach ca. einer halben Stunde auch einfach in eine Wanne umfüllen und die Klamotte dann noch bis zu einer Stunde darin baden.

 

  1. Ist der gewünschte Farbton zu erkennen, nimm das Textil aus seinem Bad und spüle es mit kaltem Wasser gründlich aus.
  2. Im besten Fall sieht deine Klamotte jetzt nagelneu oder zumindest hübsch verändert aus. Du kannst das Textil nun wie jedes andere behandeln: in der Waschmaschine waschen, bügeln usw. Lediglich auf Kochwäschen solltest du verzichten.

DIY-Video: Schritt-für-Schritt-Anleitung für Batik-Muster

Der Färbevorgang an sich sollte nun klar sein. In diesem Video erfährst du nun, wie du mit wenigen Hausmitteln tolle Batik-Muster zaubern kannst. Das Prinzip an sich ist nicht neu, aber wie es genau funktioniert, war uns ehrlich gesagt auch nicht klar. Hier kommt die Auflösung🙂

Alternative: Stoffe in der Waschmaschine mit umweltfreundlicher Textilfarbe aus der Drogerie färben

Päckchen mit Textilfarbe für die Waschmaschine

Um Zeit zu sparen und den Aufwand zu reduzieren, kannst du natürlich auch auf Textilfarbe aus Online-Shops oder der Drogerie zurückgreifen. Die fertigen Pulver sind zwar nicht so umweltfreundlich wie die DIY-Version mit Pflanzenstoffen, aber auch hier gibt es Kandidaten, mit denen du noch halbwegs auf der grünen Seite unterwegs bist.

Die Textilfarbe von Kreul ist ein gutes Beispiel dafür. Die Färbemittel sind relativ günstig, fix zu bestellen und du kannst deine Klamotten damit direkt in der Waschmaschine kolorieren.

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