Maisprotein statt PFAS | Neue Beschichtung macht Baumwolle wasserabweisend

Eine wasserabweisende Beschichtung aus Maisprotein und Bienenwachs statt fluorierter Chemikalien.

Genau daran arbeitet ein Forschungsteam der University of Texas at Austin. Das Projekt Maízein Movement wurde im Juni 2026 beim Biodesign Challenge Summit mit dem Outstanding Science Award ausgezeichnet. Einige Wochen später stellte die Universität die Entwicklung ausführlicher vor.

Die Kernidee Ein natürlich wasserabweisendes Protein aus Mais wird mit Bienenwachs kombiniert und auf cellulosehaltige Textilien wie Baumwolle aufgebracht. Langfristig könnten solche biobasierten Beschichtungen bestimmte PFAS-basierte Filme ersetzen.

Warum PFAS bei Kleidung ein Problem sind

Warum PFAS bei Kleidung ein Problem sind

PFAS sind eine große Gruppe extrem beständiger fluorierter Chemikalien. In Textilien kommen sie häufig noch immer vor allem dort zum Einsatz, wo Stoffe Wasser, Öl und Schmutz abweisen sollen, etwa bei Outdoor- und Funktionskleidung.

Ihre Schutzfunktion führen sie zwar effektiv aus, doch ihre Langlebigkeit stellt ein Problem dar. Viele PFAS werden in der Umwelt nur sehr langsam abgebaut und deshalb oft als „Ewigkeitschemikalien“ bezeichnet. Entsprechend groß ist der Druck, für textile Beschichtungen Alternativen zu entwickeln.

Mit Proteinen aus Mais setzt das amerikanische Wissenschaftsprojekt auf einen Rohstoff, den man zunächst kaum mit Funktionskleidung verbinden würde.

Zein | Was Maisprotein für Textilien kann

Zein ist ein Speicherprotein aus Mais, das für biobasierte Beschichtungen genutzt werden kann.

Der zentrale Bestandteil heißt Zein. Dabei handelt es sich um ein Speicherprotein aus Mais, das auch als Nebenstrom der industriellen Maisverarbeitung verfügbar ist.

Für Beschichtungen besitzt Zein mehrere nützliche Eigenschaften:

  • von Natur aus hydrophob
  • kann dünne Filme auf Oberflächen bilden
  • kann mit weiteren biobasierten Stoffen kombiniert werden
  • wird aus einem nachwachsenden Rohstoff gewonnen
  • lässt sich auf cellulosehaltigen Materialien einsetzen

Dass Zein Baumwolle wasserabweisender machen kann, ist keine völlig neue Idee. Bereits die im September 2020 publizierte Studie in Reactive and Functional Polymers zeigte, dass eine Zein-Beschichtung die Hydrophobie von Baumwollgewebe deutlich erhöhen kann.

Warum Bienenwachs dazukommt

Beim Projekt Maízein Movement wird Zein mit Bienenwachs kombiniert und an die Cellulosefasern des Stoffes gebunden.

Bei Maízein Movement wird Zein mit Bienenwachs kombiniert und an die Cellulosefasern des Stoffes gebunden. Dadurch soll eine Oberfläche entstehen, an der Wasser schlechter haftet und leichter abperlt – vor allem an Activewear und Outdoor-Textilien aus Baumwolle.

Eine ähnliche Kombination aus Zein und Bienenwachs wurde bereits wissenschaftlich untersucht. Die 2025 veröffentlichte Arbeit beschäftigte sich mit Zein-Nanopartikeln und Bienenwachs auf Baumwolle und erreichte damit stark wasserabweisende Oberflächen. Dabei wurde auch untersucht, wie stabil die Beschichtung auf dem Gewebe bleibt.

Könnte Baumwolle dadurch funktioneller werden?

Könnte Baumwolle durch eine neue Beschichtung aus Wachs und Zein funktioneller werden?

Baumwolle ist angenehm, atmungsaktiv und vielseitig; für Performance-Textilien aber nicht immer ideal, da sie Feuchtigkeit leicht aufnimmt und vergleichsweise langsam trocknet. Eine funktionelle Oberflächenbehandlung könnte deshalb gerade für bestimmte Activewear- und Outdoor-Anwendungen interessant sein.

Mögliche Anwendungen wären etwa:

  • wasserabweisende Baumwolljacken
  • funktionellere Activewear
  • schmutzresistentere Hosen
  • Taschen und Accessoires
  • technische Textilien aus Cellulosefasern

Das Team aus Austin arbeitet bereits an der Weiterentwicklung. Projektmitglied Brandon Nguyen untersucht das Material im Rahmen seiner Masterarbeit und zusätzlich sollen Kooperationen mit Unternehmen und weitere Fördermittel den Weg Richtung Anwendung erleichtern.

Noch kein Ersatz für die Outdoorjacke von morgen

So überzeugend „Maisprotein und Bienenwachs statt PFAS“ klingt: Für eine industrielle Alternative fehlen noch wichtige Daten.

So überzeugend und wünschenswert „Maisprotein und Bienenwachs statt PFAS“ auch klingt, für eine industrielle Alternative fehlen noch wichtige Daten.

Entscheidend sind unter anderem:

Waschbeständigkeit | Bleibt die Funktion auch nach vielen Waschgängen erhalten?
Abrieb | Wie verhält sich die Beschichtung an stark beanspruchten Stellen?
Atmungsaktivität | Eine gute Beschichtung sollte Wasser abweisen, ohne Luft- und Wasserdampfdurchlässigkeit zu stark einzuschränken.
Skalierung | Lässt sich das Verfahren schnell und gleichmäßig auf große Stoffbahnen übertragen?
Ökobilanz | Biobasiert bedeutet nicht automatisch, dass der gesamte Herstellungsprozess umweltfreundlicher ist.

Für vegane Mode, die häufig von bewussten Käufern nachgefragt wird, gibt es außerdem einen Haken: Bienenwachs ist tierischen Ursprungs. Für eine vegane Variante wäre deshalb interessant, künftig auch Pflanzenwachse oder andere biobasierte Komponenten mit ähnlicher Funktion zu testen.

Ein gutes Beispiel für die neue Materialforschung

Maízein Movement löst das PFAS-Problem noch nicht. Das Projekt zeigt aber sehr anschaulich, wie sich die Materialentwicklung in der Mode verändert.

Maízein Movement ist noch weit von einer industriellen PFAS-Alternative entfernt. Das von Studierenden entwickelte Forschungsprojekt zeigt aber sehr anschaulich, wohin sich die Materialentwicklung in der Mode bewegen kann.

Proteine, Pflanzenwachse, Pilzmyzel, Algen oder mikrobiell erzeugte Stoffe werden zunehmend nicht nur als alternative Rohstoffe betrachtet. Wissenschaftler versuchen immer häufiger, ihnen konkrete technische Funktionen wie Wasserabweisung, Stabilität oder Farbe zu geben.

Ob sich Zein und Bienenwachs dabei tatsächlich im industriellen Maßstab durchsetzen, ist offen. Als Forschungsansatz zeigt das Projekt aber, wie biobasierte Chemie künftig einen Teil konventioneller Textilausrüstungen ersetzen könnte.


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